eLearning Didaktik Fachtagung in Linz - Arbeiten mit digitalen Medien in Unterricht und Lehre

Die 9. eLearning Didaktik Fachtagung zeigte einen Reichtum an Perspektiven auf eLearning im Klassenzimmer bzw. über dieses hinaus. Die Tagung fand am 23. und 24. Oktober 2014 als Kooperationsveranstaltung des österreichischen Bundesministeriums für Bildung und Frauen und der Privaten Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz statt.

1989 hatten Sektionschef Christian Dorninger und Ministerialrat Christian Schrack die ersten Notebooks an österreichische Schulen gebracht. Bis 2020 sollen alle Schulen im EU-Raum über Breitband-WLAN verfügen. Heuer wurden über 120 Arbeitsplätze für IT-KustodInnen und IT-SystembetreuerInnen für den Schulbereich eingerichtet. Diese infrastrukturellen und technischen Voraussetzungen ermöglichen ein immer besseres Arbeiten mit mobilen Lernbegleitern und in elektronischen Lernumgebungen. Um die Lehrenden für das Lernen mit und in der Cloud zu begeistern, sind allerdings auch entsprechende fachdidaktische Beispiele und Vorschläge wichtig.

Die Konferenzbeiträge zeigten eine Vielzahl von Möglichkeiten des Arbeitens mit digitalen Hilsmitteln und in vernetzten Lernumgebungen wie MOOCs. auch Gamification wurde in unterschiedlichen Beiträgen behandelt. Der Radiosender Ö1 begleitete die Tagung; ein Beitrag in der Sendung Matrix ist digitalen Medien im Unterricht gewidmet.

Für diesen Konferenzbericht für EUROPORTFOLIO werden die Referate zum Thema E-Portfolio zusammengefasst.

Andrea Ghoneim referierte auf der eLearning Didaktik Fachtagung über "E-Portfolios und kompetenzorientiertes Lernen". Im Rahmen Ihres Vortrags ging sie auf  Kompetenzbeschreibungen und -matrices ein, u.a. aus dem Projekt EUfolio, an dem das Department für Interaktive Medien und Bildungstechnologien der Donau-Universität Krems mitarbeitet. E-Portfolios wurden und werden im Rahmen des Projekts zur Förderung von Kompetenzen eingesetzt. Dass E-Portfolios ein ideales Werkzeug für selbstbestimmtes Lernen sind, konnte im Rahmen des Projekts ebenso gezeigt werden wie die Eignung von E-Portfolios zur Förderung digitaler Kompetenzen und des kritischen Denkens. Die Pilotprojekte in der Sekundarstufe I an Schulen in Irland, Litauen, Slowenien, Spanien und Zypern laufen noch bis Februar 2015. Auf ihrer Basis werden Fallstudien erarbeitet, die Teil eines Strategie-Handbuchs sein werden, das im April 2015 veröffentlicht wird.

Ebenfalls mit der Donau-Universität Krems verbunden ist Klaus Denkmair, der seine Masterthese „E-Portfolio: Übergang in die kompetenzorientierte Arbeitswelt am Ende der Pflichtschulzeit“ im Rahmen des Lehrgangs eEducation verfasst hat. Diesem Thema war auch sein Vortrag auf der eLearning Didaktik Fachtagung gewidmet. Mit E-Portfolios im Unterricht konnte Klaus Denkmair der Orientierungslosigkeit 14-20-jähriger Jugendlicher im Polytechnischen Jahr entgegenwirken. Der Einsatz von E-Portfolios begeisterte die jungen Menschen nicht nur dadurch, dass sie „etwas Eigenes“ erarbeiten konnten, er förderte auch Kompetenzen wie Eigenverantwortung, Selbstbestimmung und Selbstmotivation. Die Erkenntnisse von Klaus Denkmair stehen auch in Buchform zur Verfügung.

Georg Ratz, der unter anderem für den Bildungsserver als Programmentwickler tätig ist, stellte mit Skooly ein elektronisches Pensenbuch für Volksschulen vor. Die aus der Montessori-Pädagogik stammenden Pensenbücher zählen zu den Grundlagen der (E-)Portfolio-Arbeit. LehrerInnen schätzen die Arbeit mit Pensenbüchern zwar aus pädagogischen Gründen, andererseits ist das Administrieren und Bewerten der lernerInnenzentrierten Pensenbücher mit einem hohen Arbeitsaufwand verbunden. Skooly verringert diesen Aufwand und ermöglicht das elektronische Festhalten von Lernzielen und Kompetenzen und die Ausgabe einer Lernerfolgskurve für jede/n LernerIn.

Kompetenzbasiertes Lernen mit mobilen Lernbegleitern“ war das Thema von Andreas Riepl, der sich sowohl als Lehrer als auch als Software-Entwickler mit digitaler Organisation von Lernen beschäftigt. Die Kombination aus Kompetenzen und Kannbeschreibungen für diese und schülerInnenzentrierte selbstangeleitete Leistungsbelege
Kompetenzen sind für Österreich in den Bildungsstandards festgeschrieben. Sie werden durch Kannbeschreibungen operationalisiert. Der Selbst- aber auch der Fremdeinschätzung können schülerInnenzentrierte selbstangeleitete Leistungsbelege dienen, die in einem Beurteilungs-Portfolio zusammengestellt werden. Im E-Portfolio-Add-On Exabis für Moodle stehen sowohl den SchülerInnen als auch den LehrerInnen Tests, Aufgaben und eine Sammelmöglichkeit für E-Portfolio-Artefakte zur Verfügung. Eine Smartphone-App für E-Portfolios namens ePop wurde für ÖZEPS entwickelt, sie kann von Interessierten kostenfrei benutzt werden.

Julia Prinz beschäftigte sich in ihrem Beitrag mit eBooks und E-Portfolios im Oberstufenunterricht Englisch. Sie realisierte mit SchülerInnen E-Portfolios, indem sie für sie im virtuellen Lernraum lms.at Folder einrichtete, für die die SchülerInnen Schreib- und Leserechte erhierlten. die dort gesammelten Texte waren zuvor auf Papier abgegeben und von der Lehrerin korrigiert worden. Durch die elektronische Sammelmappe ergeben sich neue Ideen für Lernartefakte wie das Einbinden von Podcasts oder von Videoaufnahmen und Präsentationen oder auch die Aufnahme von Elementen des Digital Storytelling.

Wie eingangs erwähnt, können mit diesem Kurzbericht nur Streiflichter auf eine inhaltlich sehr reiche, gut besuchte Tagung geworfen werden. Dass für alle Teilnehmerinnen die Einbindung von eLearning in  den Unterrichtsalltag eine Selbstverständlichkeit darstellt, sollte nicht über die Realität an Österreichs Schulen hinwegtäuschen: "1/3 aller Oberstufenschulen betreiben eLearning, in der Mittelstufe sind es weniger", verriet eine Folie von Christian Schrack, mit der die Abschlussdiskussion eingeleitet wurde. Es gibt also noch einiges zu tun ...